{"id":2333,"date":"2024-06-10T12:00:00","date_gmt":"2024-06-10T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/koczoradam.hu\/?post_type=fw-portfolio&#038;p=2333"},"modified":"2026-10-21T00:15:08","modified_gmt":"2026-10-20T23:15:08","slug":"tanulmanyut-bulgaria","status":"publish","type":"fw-portfolio","link":"https:\/\/koczoradam.hu\/de\/project\/tanulmanyut-bulgaria\/","title":{"rendered":"Studienreise: Mittelbulgarien"},"content":{"rendered":"<p>Im September 2026 war ich auf Studienreise in der Gegend von Trojan, im Bezirk Lowetsch, neben dem Nationalpark Zentralbalkan. Thema war der \u00f6kologische Obstbau in Bulgarien, vor allem \u00c4pfel und Pflaumen: zuerst Vortr\u00e4ge, dann Besuche in einer extensiven Bio-Pflaumenanlage und einer intensiven Apfelanlage. Ich war schon einmal in Bulgarien \u2013 in Sachen <a href=\"\/de\/project\/csipkebogyo_termesztes\/\">Hagebutten<\/a>\u00a0\u2013 das Land geh\u00f6rt zu den weltweit wichtigsten Produzenten von Rosen\u00f6l, Hagebutten und Rosenprodukten.<\/p>\n<h3>Regionales Obst im regionalen Regal<\/h3>\n<p>Einer der Vortr\u00e4ge z\u00e4hlte nicht traditionelle, aber essbare Obstarten auf: Indianerbanane (Pawpaw, <em>Asimina triloba<\/em>), Jujube, gro\u00dffr\u00fcchtige Wei\u00dfdornsorten, Kirschpflaume, <em>Sorbus<\/em>-Arten. Solche kleinen, schwankenden Mengen nimmt die Lebensmittelindustrie nicht ab, weil sie daf\u00fcr weder Produkte noch Fertigungslinien entwickeln kann. In Bulgarien werden diese Fr\u00fcchte frisch in den \u00f6rtlichen L\u00e4den verkauft \u2013 und die kurze Lieferkette schmeckt man. Die Tomaten am Fr\u00fchst\u00fccksbuffet waren fleischig wie Ochsenherztomaten, nicht die \u00fcblichen Importtomaten im Pingpongball-Format. F\u00fcr ungarische Erzeuger von Nischenkulturen ist dieses Vermarktungsmodell mindestens so lehrreich wie die Arten selbst.<\/p>\n<h3>\u00c4therische \u00d6le in Imkerei und Pflanzenschutz<\/h3>\n<p>Ein Bienenforscher sprach \u00fcber den Einsatz \u00e4therischer \u00d6le \u2013 vor allem Thymol \u2013 in der Imkerei und im Pflanzenschutz. Das Thema liegt mir nahe: Am Lehrstuhl f\u00fcr Phytopathologie der MATE sind dazu mehrere Doktorarbeiten entstanden, und ich war Mitautor eines Artikels zu einem \u00e4hnlichen Thema. \u00c4therische \u00d6le wirken \u00fcber mehrere Mechanismen zugleich, deshalb bilden sich Resistenzen nur schwer; in die Wachsschicht des Blattes gel\u00f6st k\u00f6nnen sie l\u00e4nger wirken, und in Emulsion sind sie gute Netzmittel.<\/p>\n<p>Die eigentliche Chance: Mehrere \u00e4therische \u00d6le stammen aus Pflanzen, die auch in Ungarn wachsen \u2013 Thymian etwa ist eine der reichsten Thymolquellen. Orangen\u00f6l und Thymol sind in der EU bereits zugelassene Wirkstoffe, doch die Zulassung gilt f\u00fcr Wirkstoff und Produkt, ist langwierig und teuer, sodass ungarische Kr\u00e4uteranbauer kaum davon profitieren. K\u00f6nnten \u00e4therische \u00d6le in Lebensmittelqualit\u00e4t einfacher, etwa als Grundstoffe, in den Pflanzenschutz gelangen, w\u00fcrde das auch der Kr\u00e4uterbranche einen neuen Markt \u00f6ffnen.<\/p>\n<h3>Pflaumen: scharkatolerante Lokalsorten und ein in Ungarn gesch\u00fctzter Sch\u00e4dling<\/h3>\n<p>In der extensiven Bio-Pflaumenanlage war \u2013 zu meiner \u00dcberraschung \u2013 nicht die Scharka (Pockenkrankheit, <em>Plum pox virus<\/em>) das Hauptproblem, obwohl die Krankheit gerade in Bulgarien zuerst beschrieben wurde. Die wenigen \u2018Stanley\u2019-B\u00e4ume sind tolerant, die vor Ort auf Scharkaresistenz gez\u00fcchteten bulgarischen Sorten noch mehr. Es sind kleinfr\u00fcchtige, honigs\u00fc\u00dfe Pflaumen, geschmacklich n\u00e4her an der klassischen \u2018Besztercei\u2019 als \u2018Stanley\u2019 oder \u2018Bluefre\u2019 \u2013 ungarische Baumschulen und Z\u00fcchter sollten sie sich ansehen.<\/p>\n<p>Den gr\u00f6\u00dften Schaden richtete der Schwarze Prachtk\u00e4fer (<em>Capnodis tenebrionis<\/em>) an. Seine Larven befallen vor allem in D\u00fcrrejahren die Wurzeln von Steinobst und k\u00f6nnen ausgewachsene B\u00e4ume abt\u00f6ten. Im \u00d6koanbau gibt es kaum Mittel dagegen: Der Landwirt kalkt die St\u00e4mme wei\u00df, damit die im Fr\u00fchjahr hochkletternden schwarzen K\u00e4fer gut zu sehen sind, und sammelt sie von Hand in Eimer. In Ungarn steht diese Art \u2013 vorerst \u2013 unter Naturschutz.<\/p>\n<p>Leichter ist der Markt dort auch nicht: Es war ein Rekordjahr f\u00fcr Pflaumen, also findet ein Teil der Ernte als Pflaumenschnaps \u2013 Rakija \u2013 seinen Abnehmer.<\/p>\n<h3>\u00c4pfel: farbige Netze und \u2018Florina\u2019<\/h3>\n<p>Die intensive Apfelanlage arbeitet mit engem Pflanzabstand, D\u00fcngung \u00fcber Tropfbew\u00e4sserung, Pheromon-Verwirrung gegen den Apfelwickler und Hagelnetzen. Das Netz nutzt der Landwirt vor allem zur Beschattung gegen Sonnenbrand. Er hat wei\u00dfe, zitronengelbe, rote und in diesem Jahr schwarze Netze ausprobiert; nach seiner Erfahrung hat sich Rot am besten bew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Die Sorte \u2018Florina\u2019 war eine angenehme \u00dcberraschung. Geschmack und Textur erinnern an \u2018Jonathan\u2019, aber sie ist schorfresistent und mehltautolerant und l\u00e4sst sich daher auch im \u00d6koanbau gut sch\u00fctzen \u2013 anders als \u2018Jonathan\u2019, der selbst mit modernem Pflanzenschutz schwer zu sch\u00fctzen ist.<\/p>\n<h3>Was sich mitnehmen l\u00e4sst<\/h3>\n<ul>\n<li>Scharkatolerante bulgarische Lokalsorten als Ausgangsmaterial f\u00fcr Z\u00fcchtung und Baumschulen.<\/li>\n<li>\u2018Florina\u2019 als resistente, \u2018Jonathan\u2019-\u00e4hnliche Sorte f\u00fcr Bio-Apfelanlagen.<\/li>\n<li>Farbige Schattiernetze gegen Sonnenbrand \u2013 die Farbe solltest du in deiner eigenen Anlage testen.<\/li>\n<li>Bei Nischenobst die kurze Lieferkette: frischer Verkauf vor Ort statt industrieller Abnehmer.<\/li>\n<li>Pflanzenschutz mit \u00e4therischen \u00d6len aus heimischem Rohstoff \u2013 wenn die Regulierung es zul\u00e4sst.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Du hast eine Bio-Obstanlage und m\u00f6chtest davon etwas ausprobieren? Mehr \u00fcber meine <a href=\"\/de\/szaktanacsadas\/\">Beratung findest du hier<\/a> \u2013 und den vollst\u00e4ndigen, pers\u00f6nlicheren Reisebericht gibt es bei Parasztvak\u00edt\u00e1s (auf Ungarisch): <a href=\"https:\/\/www.parasztvakitas.hu\/p\/visszateres-kozep-bulgariaba\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Visszat\u00e9r\u00e9s K\u00f6z\u00e9p-Bulg\u00e1ri\u00e1ba<\/a>.<\/p>","protected":false},"featured_media":2319,"template":"","fw-portfolio-category":[6,33],"class_list":["post-2333","fw-portfolio","type-fw-portfolio","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","fw-portfolio-category-portfolio","fw-portfolio-category-tanulmanyutak"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/koczoradam.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/fw-portfolio\/2333","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/koczoradam.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/fw-portfolio"}],"about":[{"href":"https:\/\/koczoradam.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/fw-portfolio"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/koczoradam.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/fw-portfolio\/2333\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2336,"href":"https:\/\/koczoradam.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/fw-portfolio\/2333\/revisions\/2336"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/koczoradam.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2319"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/koczoradam.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2333"}],"wp:term":[{"taxonomy":"fw-portfolio-category","embeddable":true,"href":"https:\/\/koczoradam.hu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/fw-portfolio-category?post=2333"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}