Studienreise: Mittelbulgarien

Im September 2026 war ich auf Studienreise in der Gegend von Trojan, im Bezirk Lowetsch, neben dem Nationalpark Zentralbalkan. Thema war der ökologische Obstbau in Bulgarien, vor allem Äpfel und Pflaumen: zuerst Vorträge, dann Besuche in einer extensiven Bio-Pflaumenanlage und einer intensiven Apfelanlage. Ich war schon einmal in Bulgarien – in Sachen Hagebutten – das Land gehört zu den weltweit wichtigsten Produzenten von Rosenöl, Hagebutten und Rosenprodukten.

Regionales Obst im regionalen Regal

Einer der Vorträge zählte nicht traditionelle, aber essbare Obstarten auf: Indianerbanane (Pawpaw, Asimina triloba), Jujube, großfrüchtige Weißdornsorten, Kirschpflaume, Sorbus-Arten. Solche kleinen, schwankenden Mengen nimmt die Lebensmittelindustrie nicht ab, weil sie dafür weder Produkte noch Fertigungslinien entwickeln kann. In Bulgarien werden diese Früchte frisch in den örtlichen Läden verkauft – und die kurze Lieferkette schmeckt man. Die Tomaten am Frühstücksbuffet waren fleischig wie Ochsenherztomaten, nicht die üblichen Importtomaten im Pingpongball-Format. Für ungarische Erzeuger von Nischenkulturen ist dieses Vermarktungsmodell mindestens so lehrreich wie die Arten selbst.

Ätherische Öle in Imkerei und Pflanzenschutz

Ein Bienenforscher sprach über den Einsatz ätherischer Öle – vor allem Thymol – in der Imkerei und im Pflanzenschutz. Das Thema liegt mir nahe: Am Lehrstuhl für Phytopathologie der MATE sind dazu mehrere Doktorarbeiten entstanden, und ich war Mitautor eines Artikels zu einem ähnlichen Thema. Ätherische Öle wirken über mehrere Mechanismen zugleich, deshalb bilden sich Resistenzen nur schwer; in die Wachsschicht des Blattes gelöst können sie länger wirken, und in Emulsion sind sie gute Netzmittel.

Die eigentliche Chance: Mehrere ätherische Öle stammen aus Pflanzen, die auch in Ungarn wachsen – Thymian etwa ist eine der reichsten Thymolquellen. Orangenöl und Thymol sind in der EU bereits zugelassene Wirkstoffe, doch die Zulassung gilt für Wirkstoff und Produkt, ist langwierig und teuer, sodass ungarische Kräuteranbauer kaum davon profitieren. Könnten ätherische Öle in Lebensmittelqualität einfacher, etwa als Grundstoffe, in den Pflanzenschutz gelangen, würde das auch der Kräuterbranche einen neuen Markt öffnen.

Pflaumen: scharkatolerante Lokalsorten und ein in Ungarn geschützter Schädling

In der extensiven Bio-Pflaumenanlage war – zu meiner Überraschung – nicht die Scharka (Pockenkrankheit, Plum pox virus) das Hauptproblem, obwohl die Krankheit gerade in Bulgarien zuerst beschrieben wurde. Die wenigen ‘Stanley’-Bäume sind tolerant, die vor Ort auf Scharkaresistenz gezüchteten bulgarischen Sorten noch mehr. Es sind kleinfrüchtige, honigsüße Pflaumen, geschmacklich näher an der klassischen ‘Besztercei’ als ‘Stanley’ oder ‘Bluefre’ – ungarische Baumschulen und Züchter sollten sie sich ansehen.

Den größten Schaden richtete der Schwarze Prachtkäfer (Capnodis tenebrionis) an. Seine Larven befallen vor allem in Dürrejahren die Wurzeln von Steinobst und können ausgewachsene Bäume abtöten. Im Ökoanbau gibt es kaum Mittel dagegen: Der Landwirt kalkt die Stämme weiß, damit die im Frühjahr hochkletternden schwarzen Käfer gut zu sehen sind, und sammelt sie von Hand in Eimer. In Ungarn steht diese Art – vorerst – unter Naturschutz.

Leichter ist der Markt dort auch nicht: Es war ein Rekordjahr für Pflaumen, also findet ein Teil der Ernte als Pflaumenschnaps – Rakija – seinen Abnehmer.

Äpfel: farbige Netze und ‘Florina’

Die intensive Apfelanlage arbeitet mit engem Pflanzabstand, Düngung über Tropfbewässerung, Pheromon-Verwirrung gegen den Apfelwickler und Hagelnetzen. Das Netz nutzt der Landwirt vor allem zur Beschattung gegen Sonnenbrand. Er hat weiße, zitronengelbe, rote und in diesem Jahr schwarze Netze ausprobiert; nach seiner Erfahrung hat sich Rot am besten bewährt.

Die Sorte ‘Florina’ war eine angenehme Überraschung. Geschmack und Textur erinnern an ‘Jonathan’, aber sie ist schorfresistent und mehltautolerant und lässt sich daher auch im Ökoanbau gut schützen – anders als ‘Jonathan’, der selbst mit modernem Pflanzenschutz schwer zu schützen ist.

Was sich mitnehmen lässt

  • Scharkatolerante bulgarische Lokalsorten als Ausgangsmaterial für Züchtung und Baumschulen.
  • ‘Florina’ als resistente, ‘Jonathan’-ähnliche Sorte für Bio-Apfelanlagen.
  • Farbige Schattiernetze gegen Sonnenbrand – die Farbe solltest du in deiner eigenen Anlage testen.
  • Bei Nischenobst die kurze Lieferkette: frischer Verkauf vor Ort statt industrieller Abnehmer.
  • Pflanzenschutz mit ätherischen Ölen aus heimischem Rohstoff – wenn die Regulierung es zulässt.

Du hast eine Bio-Obstanlage und möchtest davon etwas ausprobieren? Mehr über meine Beratung findest du hier – und den vollständigen, persönlicheren Reisebericht gibt es bei Parasztvakítás (auf Ungarisch): Visszatérés Közép-Bulgáriába.

Beschreibung

Ökologischer Apfel- und Pflaumenanbau rund um Trojan: Lokalsorten, Resistenz, Pflanzenschutz mit ätherischen Ölen.

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