dr. Adam Koczor
Pflanzenschutzberater
Wasserhaltende Bewirtschaftung
Wasser im Boden zu halten ist auf dem Acker und in der Dauerkultur dieselbe Aufgabe – nur die Werkzeuge sind andere. In beiden Fällen entscheiden dieselben drei Fragen: wie lange lebende oder tote Bedeckung auf dem Boden liegt, wann wir sie stören, und wie viel organische Substanz zurückbleibt. Ohne Bewässerung sind diese drei praktisch der gesamte Werkzeugkasten der Wasserwirtschaft – und genau hier treffen sich der regenerative und der ökologische Ansatz.
In der Dauerkultur: 150 Hektar ohne Bewässerung
Auf der Hagebuttenplantage in Leányvár stehen 150 Hektar im Ertrag, und bewässert wurde dort nie. In sechs Jahren haben wir fünf Trockenjahre erlebt – 2020, 2022, 2024, 2025 und das herausragende 2026 –, und Wasser ist trotzdem Teil der Technologie. Es kommt nur nicht durch ein Rohr: Unser einziges echtes wasserwirtschaftliches Werkzeug ist die Behandlung der Fahrgasse und deren Zeitpunkt.
Was wir von der Fahrgasse erwarten, ist einfach: Sie soll da sein, so wenig Wasser wie möglich verbrauchen und den Boden vollständig bedecken. Das heißt, wir fahren die grüne Masse nicht ab, sondern häckseln sie auf den Boden – der feuchte Mulch hält das Wasser dort, und die absterbenden Wurzeln hinterlassen Stickstoff und Humus.
In der Praxis ist das eine Frage des Zeitpunkts. Nach Regen mulchen wir, damit der gefallene Niederschlag im Boden bleibt. In der Trockenheit rühren wir sie nicht an: Die hoch gewachsene Fahrgasse hält das Wasser, und wenn wir sie schneiden, gibt sie auch das ab, was sie aus dem Morgentau aufgefangen hat. Im Frühjahr plädiere ich oft fürs Aufschieben, denn der Schnitt treibt neue Vegetation an, und die entzieht dem Boden mehr Wasser als der stehende Bestand.
Diese Entscheidung trägt einen eingebauten Widerspruch, an dem man nicht vorbeikommt. Dieselbe Bedeckung der Fahrgasse, die das Wasser hält, bietet auch der Schermaus Unterschlupf, und ihr feuchteres Kleinklima begünstigt den Rost. Das Lockern gegen die Schermaus wiederum reißt die Leguminosen heraus und verringert die Mulchmenge. Es gibt keine Fahrgassenpflege, die alle drei zugleich löst – man muss Jahr für Jahr und Schlag für Schlag entscheiden und in Kauf nehmen, dass es zulasten von einem geht.
Wasser ist auch kein einseitiges Problem. Im selben Jahr steht in den unteren Senken Stauwasser bei hohem Grundwasserstand, während die höheren Lagen Trockenheitssymptome zeigen – im selben Schlag, wenige hundert Meter voneinander entfernt.
Die interessanteste Lehre stammt aus 2026: Die Rose verträgt die Trockenheit besser als der Rost. In unserem trockensten Jahr lag der Fruchtbehang stellenweise nahe am Rekord, weil die Trockenheit unseren wichtigsten Krankheitserreger bremste. Wassermangel steht also nicht nur auf der Verlustseite – und das verändert auch, wann und wie viel sich für den Pflanzenschutz auszugeben lohnt.
Auf dem Acker: dieselbe Logik, andere Werkzeuge
Auf der regenerativen Schiene machen wir genau dasselbe, nur auf dem Acker. Auch dort ist das Ziel, dass der Boden möglichst lange bedeckt ist, möglichst wenig Wasser durch Verdunstung verliert und möglichst viel organische Substanz behält. Die Werkzeuge sind aber andere: Zwischenfrüchte, reduzierte Bodenstörung, Humuswirtschaft und mikrobielle Präparate – damit arbeite ich in den Biosphères Projekten und in meiner Beratung für große ungarische Betriebe.
Der wichtigste Unterschied ist, dass die Bedeckung auf dem Acker gesät werden muss, während man in der Plantage das bewirtschaftet, was von selbst wächst. Bei der Zwischenfrucht entscheiden Artenwahl und Saattermin, in der Plantage der Zeitpunkt des Mulchens – die Frage ist aber an beiden Orten dieselbe: Wann lohnt es sich, die Bedeckung zu beseitigen, und wann ist teurer, was wir damit verlieren.
Was sich zwischen beiden übertragen lässt: die Logik des Zeitpunkts, die Bewertung der Bedeckung über die Wasserbilanz, und dass jede Störung auf zwei Konten geht – wir gewinnen etwas damit und verlieren Wasser dabei. Was sich nicht übertragen lässt: In der Dauerkultur ist die Fahrgasse jahrelang derselbe Bestand, eine falsche Entscheidung bleibt also jahrelang bei uns, während sie auf dem Acker jede Saison neu geplant werden kann.
2025 haben wir auf einer Fläche von 30×25 Metern beide Welten gemischt: Lockerung auf 30 Zentimeter mit Vorschneidescheibe und Stachelwalze, darauf verrotteter Pferdemist, darüber mehrjähriger Strohmulch, zum Schluss mit der Güttler-Walze abgeschlossen – also ein ackerbaulich-regenerativer Eingriff innerhalb einer Plantage. Am Tag darauf fielen 15 Millimeter Regen, genau die Situation, für die er gedacht war.
Dieser Ansatz greift mit der Praxis des Hagebuttenanbaus und des vogelfreundlichen Pflanzenschutzes ineinander: Dieselbe Bedeckung hält das Wasser, bietet den Beutegreifern Lebensraum und trägt das Risiko.
Wenn du ohne Bewässerung wirtschaftest – ob auf dem Acker oder in der Plantage – und mit dem Wasser besser umgehen willst, kann ich dir dabei helfen: sieh dir meine Beratung an.
Wenn Sie Gedanken zu diesem Thema haben, nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf.
Beschreibung
Herbafarm Kft., Biosphères
Wasserhaltung ohne Bewässerung, auf dem Acker und in der Dauerkultur: Bedeckung, Zeitpunkt und organische Substanz – und die eingebauten Widersprüche.
